Das Branchenmagazin für die Medienbranche „extradienst“ widmet die aktuelle Coverstory dem Thema Ausschreibungen für Agenturen. Die Expertin für Ausschreibungen Mag. Ulrike Sehrschön, Leiterin der Vergaberechtsabteilung bei Eisenberger & Herzog, wurde dafür interviewt. Die Rechtsanwältin geht in ihrem Interview genau auf die Hintergründe von Ausschreibungsprojekten ein und erklärt, wieso der Aufwand sowohl für die Suchenenden als auch für die teilnehmenden Agenturen so hoch ist. Pflichtlektüre für alle Agenturen, die um Aufträge öffentlicher Auftraggeber rittern – egal ob Werbeagentur, Internetagentur oder PR-Agentur!

extradienst: Warum gibt es bei Ausschreibungen soviel Bürokratie?

Mag. Ulrike Sehrschön: Das Vergaberecht gilt als Korrektiv bei der Beschaffung durch öffentliche Auftraggeber, damit keine Steuergelder verschwendet werden. Es soll nicht nach Lust und Laune bei jemandem bestellt werden, der einem einfach zu Gesicht steht, muss einen vorgeschalteten Wettbewerb durchführen, und die Verfahrensarten sind sehr streng geregelt. Es kann nicht jedes Verfahren für jeden Auftragswert gewählt. Derzeit muss man ab rund 200.000 Euro, die bei einer langfristigen Kampagne schnell erreicht sind, EU-weit ausschreiben. Für geistige Leistungen ist zwingend das Verhandlungsverfahren vorgeschrieben. Das bedingt eine zweistufige Vorgangsweise mit einer Präqualifikations-Phase, die Eignungsnachweise und Auswahlkriterien enthält. Erst in Phase zwei kann man sich dem Kreativkonzept widmen. Als Auftraggeber braucht man vor Angebotsangabe ein Bestbieter-Schema, die Kriterien müssen fix und zueinander gewichtet sein. Das erlaubt halt nicht, zuerst zu schauen, wer der kreativste Kopf mit der zündenden Idee ist, und erst hinterher den bürokratischen Teil zu erledigen.

extradienst: Benachteiligt das nicht kleine und mittlere Agenturen?

Mag. Sehrschön: Es ist Sache des Auftraggebers, wie er die Kriterien definiert. Unsere Kanzlei Eisenberger & Herzog betreut auch Ausschreibungen, bei denen bei wirtschaftlichen oder personellen Fragen keine Hürden aufgestellt werden. Wenn nach Mitarbeiterzahl und Umsatz der Agentur gefragt wird, dann fallen viele KMUs schon von Vorhinein weg. Aber wirtschaftliche Nachweise müssen eben verlangt werden, eine objektive Selektion ist wichtig. Auswahlkriterien sind unternehmerbezogene Kriterien die sind halt einmal retrospektiv.

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