Mit BGBl II 470/2020 wurde die Radonschutzverordnung (RnV) als Durchführungsverordnung nach dem Strahlenschutzgesetz 2020 (StrSchG 2020) veröffentlicht. Sie ist mit 10.11.2020 in Kraft getreten.

Ziel der Verordnung ist der Schutz von Personen vor Gefahren durch Radon in Aufenthaltsräumen von Wohngebäuden und an Arbeitsplätzen. Betroffen sind hinsichtlich des Schutzes von Arbeitnehmern Unternehmen in Radonschutzgebieten mit Arbeitsplätzen in Erd- oder Kellergeschoßen sowie Unternehmen mit Arbeitsplätzen in Wasserversorgungsunternehmen, untertägigen Bereichen von Bergwerken, Schächten, Stollen, Tunneln und Höhlen, in Schaubergwerken und Schauhöhlen sowie in Radon-Kureinrichtungen.

Wir haben die wichtigsten Inhalte für Sie zusammengefasst:

  • In der RnV werden zunächst Referenzwerte für die Radonkonzentration an Arbeitsplätzen und in Aufenthaltsräumen von Wohngebäuden, und zwar mit jeweils 300 Becquerel pro Kubikmeter, festgelegt.

  • Ausgewiesen werden in Anlage 1 darauf aufbauend Radonschutzgebiete (gesamt etwa 100 österreichische Gemeinden gemäß Abschnitt A) und Radonvorsorgegebiete (das gesamte Bundesgebiet, ausgenommen einzelner Gemeinden gemäß Abschnitt B).
    In Radonschutzgebieten müssen jedenfalls Maßnahmen am Arbeitsplatz, differenziert nach Radonkonzentration, ergriffen werden. In Radonvorsorgegebieten sind in allen neu errichteten Gebäuden mit Aufenthaltsräumen Radonvorsorgemaßnahmen zu treffen.

  • Näher geregelt wird ferner die nach den StrSchG 2020 vorgeschriebene Ermittlung der Radonkonzentration sowie die Abschätzung und die Ermittlung der durch die Radonexposition verursachten Dosis. Bestimmte Daten sind an die Radondatenbank zu übermitteln. Der Meldung sind näher bezeichnete Unterlagen beizulegen. Je nach ermittelter effektiver Dosis sind in der Folge unterschiedliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen (siehe dazu sogleich unten).
    Wichtig: Die Radonmessung ist erstmals innerhalb von 6 Monaten nach Aufnahme der beruflichen Tätigkeit durch eine ermächtigte Überwachungsstelle zu veranlassen. Nach der Übergangsbestimmung ist diese, wenn die betreffende Betriebsstätte bereits bei Inkrafttreten des StrSchG 2020 (01.08.2020) bestanden hat, bis spätestens 31.07.2022 zu veranlassen. Nach Erhalt der Dosisabschätzung ist binnen vier Wochen Meldung an die Behörde zu erstatten.

  • Ergibt die Dosisabschätzung, dass die effektive Dosis voraussichtlich bei keiner Arbeitskraft sechs Millisievert pro Jahr überschreitet, sind die betroffenen Arbeitskräfte im Wesentlichen zunächst nachweislich über die Exposition durch Radon, die damit verbundenen Gesundheitsrisiken und die ergriffenen Radonschutzmaßnahmen etc zu informieren sowie Aufzeichnungen darüber zu führen. Die Nachweise über die Information sind mindestens sieben Jahre aufzubewahren.

  • Ergibt die Dosisabschätzung, dass die effektive Dosis voraussichtlich bei einer oder mehreren Arbeitskräften sechs Millisievert pro Jahr überschreitet, sind Maßnahmen zum Schutz der betroffenen Arbeitskräfte vor Radon zu treffen:
    Unternehmen haben dann insbesondere binnen sechs Monaten ab Erstattung der Meldung an die Behörde einen Radonschutzbeauftragten zu benennen, der entsprechend aus- und fortzubilden ist. Zudem haben einmal jährlich Radonschutzunterweisungen zu erfolgen. Die Nachweise über Inhalt und Zeitpunkt der Unterweisungen sind ebenfalls mindestens sieben Jahre aufzubewahren.

  • Bei Änderungen an Arbeitsplätzen, die zu einer Erhöhung der Radonexposition führen können (dazu zählen insbesondere Änderungen gemäß Anlage 4), ist neuerlich eine Erhebung der Radonexposition durchzuführen und sind in der Folge gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen.

  • Bei Nichteinhaltung drohen empfindliche Verwaltungsstrafen bis EUR 7.500, im Wiederholungsfall bis EUR 11.250. Schon der Versuch ist strafbar. Zuständige Behörde ist der Landeshauptmann.

Aus der neuen Radonschutzverordnung können sich sohin alleine aufgrund der Lage des Arbeitsplatzes umfangreiche Verpflichtungen für Unternehmen ergeben. Diese bringen, je nach Ausmaß, naturgemäß neben dem organisatorischen Aufwand (insbesondere Einhaltung von Fristen und Aufbewahrungspflichten) auch finanzielle Belastungen mit sich. Daher lohnt es sich, genau zu prüfen, zu welchen Maßnahmen man tatsächlich verpflichtet ist.

Sie haben Fragen dazu? Wir beantworten Sie gerne.