Rauchen am Arbeitsplatz und was es mit der Einführung des generellen Rauchverbots in der Gastronomie (nicht) zu tun hat

Das Rauchen wurde in den vergangenen Jahren, einhergehend mit dem immer stärker werdenden Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung, zunehmend zur Glaubensfrage. Mehr oder weniger militante (Nicht-)Raucher verfolgen und verunglimpfen das „feindliche“ Gegenüber und umgekehrt. Dass es dabei zu erhitzten Gemütern kommt, verwundert nicht. Das gilt speziell für Orte, an denen Raucher und Nichtraucher viel Zeit gemeinsam verbringen, und mit denen sie emotional (im Guten wie im Schlechten) stark verbunden sind, wie zum Beispiel am Arbeitsplatz oder im Wirtshaus.

Für das Rauchen im Wirtshaus hatte man bis vor Kurzem eine typisch österreichische Lösung: Einerseits war das Rauchen nicht ganz verboten, andererseits auch nicht ganz erlaubt; man denke an die Möglichkeit „abgetrennter“ Raucherbereiche in Lokalen (bei denen Nichtraucher abgetrennt und rauchgeschützt sitzen durften, um sich sodann durch die Raucherbereiche voller dichter Raucherwolken auf die Toiletten zu bewegen). Immerhin haben wir es aber in Österreich „immer so gemacht“ und „geht ja auch“.

Mit der Einführung des allgemeinen Rauchverbots in der Gastronomie ab 1. November 2019 ändert sich das nun dahingehend, dass das Rauchen in Lokalen generell verboten wird. Die Wirte müssen nicht mehr über teure Umbaumaßnahmen nachdenken (alles sinnlos), und werden die Raucher endgültig vor die Lokale vertreiben.

Unklarheit besteht derzeit noch darüber, ob diese radikale Neuerung in der Gastronomie (also das nunmehr endgültige und vollständige Rauchverbot in allen öffentlichen Gastronomie-Flächen) auch Auswirkungen auf das Rauchen am Arbeitsplatz generell hat. Wird es künftig etwa (gleich den abgeschafften „Raucherbereichen“ in den Restaurants und Cafés) keine „Raucherkammerl“ mehr in den Betrieben geben? Die Frage ist berechtigt, denn das Grundprinzip des mehr oder weniger friedlichen Nebeneinanders von Raucherzonen und Nichtraucherbereichen in der Gastronomie und am Arbeitsplatz war bis dato sehr ähnlich ausgestaltet.

An Arbeitsplätzen innerhalb von Gebäuden ohne Kundenkontakt galt nämlich bereits bisher und gilt weiterhin, dass nicht geraucht werden darf, sofern auch nur ein einziger Mitarbeiter des Betriebes Nichtraucher ist. Daran kann weder der Arbeitgeber, noch der nicht rauchende Mitarbeiter durch eine allfällige Einwilligung etwas ändern. Das Rauchverbot gilt dabei nicht nur für klassische Zigaretten und Zigarren, sondern auch für Wasserpfeifen und elektronische Zigaretten. Als Ausnahme von dieser Grundregel waren bereits bisher die sogenannten „Raucherkammerl“ zulässig: Sofern im (nicht öffentlich zugänglichen) Betrieb oder Bürogebäude eigene Raucherräume vorhanden waren, aus denen der Rauch nicht in andere Bereiche dringen kann, durfte innerhalb des Gebäudes in solchen „Raucherkammerl“ geraucht werden. Gute Nachricht an die Raucher: daran ändert sich künftig nichts.

Auch die bisherige Regel, dass in Betrieben, in denen ausschließlich Raucher arbeiten und wo kein Kontakt zu Kunden stattfindet, das Rauchen prinzipiell erlaubt ist, ändert sich in Zukunft nicht. Dasselbe gilt für Tätigkeiten im Freien, selbst wenn nicht alle Mitarbeiter Raucher sind.

Unabhängig von diesen Voraussetzungen durften Arbeitnehmer in der Gastronomie bisher aufgrund ihrer Tätigkeit in öffentlich zugänglichen Räumen und ihres Kundenkontaktes Rauch während der Arbeitszeit ausgesetzt sein. Dies ändert sich nun ab 1. November 2019 aufgrund der Einführung des allgemeinen Rauchverbots in der Gastronomie.

Für alle anderen Arbeitnehmer ändert sich durch das neue Gesetz vorerst nichts. Die im Titel gestellte Frage kann daher beschwichtigend beantwortet werden: Das „Raucherkammerl“ darf bleiben. Dennoch schlechte Nachricht für alle arbeitenden Raucher: die Rauchpause gilt nicht als Arbeitszeit und muss daher eingearbeitet werden. Sie bleibt jedenfalls unbezahlt – auch wenn mancherorts die von den rauchenden Arbeitnehmern geliebte „Selchkammer“ zum Mittelpunkt des betrieblichen sozialen Zusammenlebens wurde.