Liebe Frau Dr. Katalan-Dworak, herzlichen Dank, dass Sie sich fürs Gespräch Zeit nehmen. Starten wir gleich mitten hinein.

Wir haben uns heuer wieder für den Women in Law Award beworben, warum ist Ihnen eine solche Teilnahme wichtig? 

Da gibt es vielerlei Gründe. Zusammengefasst vorab: Weil sich Eisenberger & Herzog nicht verstecken muss – ganz im Gegenteil! Wir haben ein Viertel Frauen in der Partnerschaft (!), ein Drittel Frauen unter den SubstitutInnen, bei unseren KonzipientInnen sind es mehr als die Hälfte, auch bei unseren Legal Trainees und PraktikantInnen ist es meist 50:50! Wir weiblichen Partner werden auch nicht nur nach außen hin als „Partner“ bezeichnet, wir sind auch tatsächlich an unserem Unternehmen beteiligt. Das sind die Fakten und solche sind ansonsten selten zu finden.

…und was ist der Hintergrund zu diesen Fakten? Gibt es ein Frauenförderprogramm, was ist mit Equal Pay und den vielen anderen Schlagwörtern?

Ganz ehrlich? Über Equal Pay oder „wie integrieren wir Frauen in unseren Teams?“ haben wir noch nie gesprochen, geschweige denn diskutiert. Aus einem einfachen Grund: was gibt es hier zu diskutieren? Ob Frau oder Mann spielt bei uns einfach keine Rolle. Wir fördern nicht Frauen oder Männer. Wir fördern Talente.

Konzentrieren wir uns mal auf das Thema Familienfreundlichkeit, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, etc. Kanzleien haben hier ja generell nicht den allerbesten Ruf. Wie sehen Sie das?

Das ist richtig – das ist ein Branchenthema und gleichzeitig aber auch ein großes, gesellschaftliches Thema – Stichwort: Rollenbild, etc. Häufig springen Frauen mitten in ihrer Anwaltskarriere „ab“ und wechseln in andere Bereiche, um sich besser der Familie widmen zu können. Hier gehen uns fantastische Anwältinnen verloren. Doch bleiben wir bei der Branche: Komplexe Rechtsberatung kann nicht zu fixen Dienstzeiten angeboten werden. Gerade das kann aber auch ein Vorteil sein. Und in einer Kanzlei unserer Größe lässt sich das weit aus besser lösen, als wenn man als „Einzelkämpfer“ unterwegs ist. Wir arbeiten immer im Team, das heißt ja auch, dass eine Kollegin oder ein Kollege einspringen kann und umgekehrt. Abgesehen davon ändert sich auch zunehmend das Rollenbild. Ich bin selbst Mutter von mittlerweile zwei Kindern, ich bin Partnerin in einer höchst erfolgreichen Wirtschaftsrechtskanzlei, habe den Standort Klagenfurt parallel aufgebaut und ein Team, das nach wie vor wächst. Das hört sich doch nicht nach da-geht-nix-nach-dem-Kind an, oder?

Absolut nicht! Wie gelingt das?

Zeitmanagement, Prioritätensetzung und ein großartiges Team. Aber ich möchte hier eigentlich nicht meine persönliche Lebensorganisation darstellen. Denn egal ob familiäre Verpflichtungen, eine Lehrtätigkeit, Leistungssport oder andere private Aktivitäten – jede und jeder hat unterschiedliche Themen in unterschiedlichen Lebensphasen, die einen beanspruchen. Die Frage ist doch: können und möchten wir das gemeinsam gestalten oder nicht? …und hier sehen wir uns mit dem bereits erwähnten Branchendilemma konfrontiert: Denn nur zu oft trifft man in der Branche noch auf alte Strukturen. Dabei gibt es viele Möglichkeiten – wie eine 4-Tage-Woche, flexibles Arbeiten oder auch Teilzeit-Varianten. Auch hier sind wir Vorreiter. Wir haben den Mut Dinge auszuprobieren, zu evaluieren, miteinander ins Gespräch zu gehen und nachzujustieren.

Wie lange Sind Sie denn schon bei E&H und können Sie uns ein wenig zu Ihrem Ausbildungs- & Karriereweg erzählen? Was waren Milestones? Was war ganz besonders wichtig?

Ich bin bei E&H sozusagen schon ein alter Hase. Ich habe schon meine Konzipientenzeit bei E&H verbracht, war dann Anwältin bei E&H und inzwischen bin ich Partnerin. Auch hier nehmen wir eine Vorreiterrolle ein. Es kommt selten vor, dass man – noch dazu als Frau  – in seiner Ausbildungskanzlei tatsächlich auch ganz nach oben kommt.
Wichtig war mir dabei immer der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung. – Gemeinsam Chancen am Schopf packen!

Was macht Sie in Ihrem Beruf erfolgreich?

Das wichtigste für mich ist die Freude an der Arbeit. Alles was man gern macht, macht man auch gut! Und da spielt auch ganz wesentlich der Teamgeist eine Rolle. Mir ist wichtig, dass sich alle Mitarbeiter wohl fühlen bei uns. Ich betreibe auch eine Open-door-policy. Meine Türe steht für Wünsche und Anregungen jederzeit offen. Es ist wichtig, sich für die Mitarbeiter und ihre Anliegen Zeit zu nehmen.

Welche Tipps haben Sie für junge Talente? Was sind absolute „must haves“ als RechtsanwaltsanwärterInnen bei E&H?

Das kann man nicht generalisieren. Wir haben ganz viel unterschiedliche Charaktere und Talente, jeder hat seine Vorzüge, die bei uns zum Einsatz kommen und gefördert werden. Wir wollen schließlich kein Mittelmaß. Motivation und Teamgeist ist wohl aber die Grundhaltung ohne die das erfolgreiche Zusammenspiel bei uns wahrscheinlich nur schlecht gelingt.

Ein Blick auf Ihren Schreibtisch: Was beschäftigt Sie momentan? Welche Beratungsprojekte begleiten Sie aktuell mit Ihrem Team?

Ich arbeite an sehr vielen alternativen Energieprojekten. Gerade mit zwei kleinen Kindern liegt mir das Thema Klimaschutz und erneuerbare Energie sehr am Herzen. Da lege ich mich mit 120% für meine Mandanten ins Zeug.

Vielen Dank für das Gespräch.