Laurenz Liedermann, seit 2013 bei E&H, den Großteil deiner Konzipientenzeit hast du hier absolviert und bist seit 2017 eingetragener Rechtsanwalt und seither als Substitut bei uns. Lieber Laurenz, vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst. Gerne möchten wir auch diesmal ganz klassisch anfangen und mehr über deinen Werdegang erfahren:

Also ich habe nicht schon ab dem Gymnasium gewusst, wo die Reise hingeht. Ich wollte Unterschiedliches ausprobieren und habe mal mit Jus gestartet und…siehe da, bin so neugierig auf die juristischen Fachgebiete geworden, dass ich gar keinen Bedarf mehr hatte, ein anderes Studium auszutesten. Nach 7 Semestern war ich dann fertig und entschloss mich, als Universitätsassistent am Institut für Zivilrecht eine Dissertationsstelle anzutreten, wo ich neben der Dissertation zum Thema „Schenkung“ natürlich auch viele Lehrveranstaltungen betreut habe. Dieses Dienstverhältnis war von Beginn an auf vier Jahre angesetzt, weshalb ich mir überlegt hatte, anschließend ins Ausland zu gehen und danach evtl. auf der Uni weiterzumachen. Ja, deshalb bin ich dann ein Jahr nach Oxford gegangen.

Hattest du denn Zeit deine Studienzeit auch zu genießen, bei diesem hohen Tempo – das ist ja kein durchschnittlicher Verlauf…

Nein, das wohl nicht. Aber für mich war das einfach meine Normalität. Ich war und bin immer in Umgebungen, wo Leute emsig und zielstrebig unterwegs sind, weil ich selbst ja auch so bin. …und dann fällt dir das total leicht, du gehst ein bestimmtes Tempo… Uniassistent und Oxford, wie auch andere Stationen in meinem Leben, hatte ich nicht von Beginn an geplant und so auch nicht ewig angepeilt, sondern entweder auf Chancen rasch reagiert oder Möglichkeiten gesucht und dann auch gefunden.

Oxford, eine der renommiertesten Universitäten weltweit. Wie war es für dich?

Oxford war das beste Jahr meines Lebens! Das Timing war perfekt, da ich ja nach einem Vollzeitjob wieder ans Studieren gegangen bin –  herrlich! Das Collegesystem dort ist fantastisch und diese große Gruppe an hochspezialisierten Menschen, die vor Fachwissen eigentlich nur so strotzen, aber dabei super umgänglich sind – wirklich toll! Teilweise saßen wir zu zweit in den Kursen – viel Arbeit, sehr herausfordernd und gleichzeitig super spannend – was kann man sich besseres vorstellen?

Wie bist du zu deinem jetzigen Fachgebiet Banking & Finance gekommen?

Auch hier – kein jahrelanges Daraufzusteuern. In Oxford hatte ich erste Financekurse natürlich mit den Schwerpunkten Kreditvertragsrecht und Schuldrecht. Später waren die Prämissen für mich: wo kann ich meine zivilrechtliche Expertise und die englische Sprache perfekt zusammenbringen? Banking & Finance – here I am! Warum? Super international und spannend, da ab einem gewissen ‚Betrag‘ mehrere Banken eingebunden sind und dadurch stets internationales Recht mitbetrachtet werden muss. Restrukturierung, Finanzierung, Insolvenzrecht und natürlich auch Regulatorisches wie das Bankenrecht – das ist mein Portfolio.

Woran arbeitest du aktuell? 

Einem Kreditvertrag – der Klassiker. Diesmal ist der Vertrag unter englischem Recht, die Gesellschaft unter österreichischem Recht, weshalb wir hier in der Rolle des Local Counsel dabei sind.

Klingt nach internationalen „Verstrickungen“. Wie schaffst du Klarheit für den Mandanten? Wie legst du Verhandlungen an und was ist für dich eine ganz besondere Herausforderung bei einer Kreditvertragsverhandlung?

Die Verstrickungen sind ja genau der Grund, warum wir zusätzlich zu einer internen Rechtsabteilung dazu geholt werden. Das heißt gleichzeitig, dass es auch unser Job ist, hier Klarheit zu schaffen. Dasselbe gilt für mich auch in Verhandlungen. Mein –  bzw. unser – Zugang ist es, Klarheit zu schaffen und konkrete Lösungen anzubieten. Weder „Feilschen“, noch „Bargaining“, sondern konstruktive Kommunikation, die detaillierte Klärung von „Warum ist das dem anderen wichtig?“ und „Wie kann ich ihm entgegen kommen?“, die „Karten offen auf den Tisch legen“… im Grunde die Harvard Methode direkt anwenden.

Kannst du uns 3 Eigenschaften nennen, die dich in deinem Beruf erfolgreich gemacht haben?

Gewissenhaft, ruhiger – im Sinne von nicht aufbrausend – und lösungsorientiert. (schmunzelt) Ich bin ja eigentlich von der Grundaufstellung her ein eher fauler Mensch. Aber ich beschäftige mich eben auch viel damit, ob und wie ich Dinge tatsächlich effizienter gestalten kann, bevor ich sie angehe oder mich wiederholt mit ähnlichen Themen auseinandersetze.

Was hat dich in deinem Werdegang geprägt, was willst du bspw. als Tutor für unsere PraktikantInnen weitergeben?

(lacht) Ich lache gerne und viel – d.h. ich hoffe doch, dass ich neben fachlicher Expertise zu einem guten Klima und einer Begegnung auf Augenhöhe beitrage, denn das ist mir wichtig!

Gerade im Vergleich zur Dissertation, zu Oxford und den sehr großen Mandaten hier – wie war die Rechtsanwaltsprüfung für dich persönlich?

Rückblickend betrachtet, ist die Rechtsanwaltsprüfung natürlich halb so schlimm. Die Prüfung stresst insbesondere deshalb, weil die Stoffmenge groß ist und man die PrüferInnen und die Prüfungssituation schwer einschätzen kann. Auch die lange Lernphase ist durchaus eine Challenge: man muss ich selbst bei Laune halten und gleichzeitig disziplinieren! Bei der Prüfung selbst hat mir am meisten geholfen, den Prüfer als Mandanten zu sehen und deshalb nicht ins Stocken zu geraten, sondern im Gespräch zu bleiben.

Was sind deine ’next steps‘?

Ein Secondment steht noch ganz weit oben auf meiner Liste. Da sind wir intern gerade in Gesprächen. …und dann „schau‘ ma mal“, oder?

Genau so. Vielen Dank für das Gespräch.