Von der Konzipientin 2012 bis zur selbstständigen Rechtsanwältin & Substitutin bei E&H seit 2017 – die Erfolgsstory von Kathrin Bayer kann sich sehen lassen! Anlässlich des Abschlusses ihrer zweiten Dissertation verrät uns die beste Jung-Anwältin 2018 (lt. trend-Umfrage 2018) wie sie Berufs- und Studienerfolg vereinbaren kann, wie wichtig Zielsetzungen für sie sind und welche Tipps sie DissertantInnen mit auf den Weg gibt.

Liebe Frau Bayer! Vorab natürlich herzliche Gratulation zur zweiten, abgeschlossenen Dissertation und zum somit zweiten Doktortitel! Schön, dass Sie sich Zeit für uns nehmen.

Sehr gerne.

Ihre zwei Arbeiten liegen in ganz unterschiedlichen Bereich des Öffentlichen Rechts – wie lauteten die Themenstellungen und in Zusammenarbeit mit welchen Universitäten sind diese entstanden?

Die erste Dissertation, zu „Hunting Systems and Property Rights“ entstand an der Universität für Bodenkultur in Wien. Die zweite Arbeit an der Karl-Franzens-Universität in Graz. Hier habe ich ein ganz aktuelles Thema aufgreifen und näher betrachten können – Eisenbahnkreuzungen: Wer trägt die Kosten? Wie sehen die verwaltungs- und verfassungsrechtlichen Strukturen aus? – solche und mehr Fragen habe ich eingehend betrachtet.

Das sind umfassende Themen. Welche Outputs finden Sie besonders wichtig?

Bei der Dissertation an der BOKU war die Frage, welche Regelungen der Jagdgesetzgeber erlassen kann, um dem Grundrecht auf Eigentum zu entsprechen, besonders spannend. Bei der Dissertation an der KF Uni fand ich die Analyse, welcher Spielraum bei der Kostentragung für die involvierten Parteien besteht, besonders wichtig. Das betrifft beide Seiten: sowohl Eisenbahnunternehmen, als auch Träger der Straßenbaulast. Konkret heißt das: Wie können vertragliche Regelungen aussehen? Worauf kann man sich im Kostenentscheidungsverfahren einlassen? Da gab es ganz viele ungeklärte Fragen. Die Antworten der beiden Dissertationen sind für mich auch im beruflichen Alltag nutzbar, auch wenn sie abstrakt beantwortet wurden.

Sie sind seit 2012 Teil des E&H-Teams, wie schreibt man zwei Dissertationen neben der intensiven Mandatsarbeit?

Das gesamte öffentlich-rechtliche Team ist wahnsinnig gut eingespielt, daher ist es für jeden möglich solche großen Projekte umzusetzen. Unterstützung gab es von allen Seiten, auch wenn in gewissen Zeiten wegen Abwesenheiten mehr Arbeit angefallen ist. Aber ganz besonders wichtig war für mich die Unterstützung durch Univ.-Prof. Dr. Eisenberger und die anderen Teammitglieder. Ohne deren Support wäre das nicht gegangen, deshalb ist das nicht nur „mein“ Erfolg.

Außerdem bin ich davon überzeugt, dass der eigene Zugang entscheidend ist. Ich wollte nie ausschließlich „Diss machen“, sondern immer auch weiterhin viel Mandatsarbeit. Das war mir extrem wichtig. Nicht nur mit theoretischen, sondern auch mit praktischen Fragen konfrontiert zu sein, war ein guter Ausgleich. Das hilft auch dabei, den Fokus auf die tatsächlich relevanten Fragestellungen zu setzen.

Ihr Werdegang kann sich sehen lassen – in drei Jahren studiert, als beste Jung-Anwältin aus der trend-Umfrage 2018 hervorgegangen und nun die zweite Dissertation – was ist Ihr Antrieb?

Wenn man keine Ziele hat, steht man still. Das ist seit Jahren mein Motto…und still stehen, möchte ich erst am Ende meines Lebens 🙂 . Die Einstellung, dass immer, wenn etwas nicht funktioniert, andere die Schuld haben, oder dass erfolgreiche Menschen einfach nur Glück haben, demotiviert mich hingegen wahnsinnig. Natürlich hat alles mit Glück zu tun, aber meistens ergeben sich Glücksfälle nur, wenn man zuvor wirklich viel Arbeit in etwas gesteckt hat.

Ein passendes Spezialgebiet zu finden ist schwer – wie sind Sie auf ihres gestoßen?

Öffentliches Recht war für mich immer am spannendsten. Hier werden rechtlich komplexe Fragestellungen, weniger „Streitfälle“, wie im klassischen Zivilverfahren, sondern Projektentwicklung und Projektumsetzung behandelt und von uns beraten. Letztere haben es mir besonders angetan, denn daraus ergibt sich auch viel interdisziplinäre Zusammenarbeit z.B. mit Planern – super spannend und immer aufs Neue lehrreich.

Was macht E&H aus Ihrer Sicht aus?

E&H nimmt für mich das Motto „finding ways“ sehr ernst. Gemeinsam das bestmögliche Ergebnis für den Mandanten zu erreichen und tatsächlich Verständnis für Bedürfnisse der MitarbeiterInnen zu haben, stehen an erster Stelle. Wir finden gesamthafte Strategien, nicht nur kurzfristige Lösungen für einzelne juristische Fragestellungen. Wer ein junges Team sucht, bei dem jeder einzelne nicht nur fachlich, sondern auch menschlich super ist, ist bei uns richtig – und wer sucht so etwas nicht? 🙂

Warum ist die Anwaltei für Sie genau das Richtige?

Kurz gesagt: Die Anwaltei umfasst für mich genau das, was E&H ist. Strategische lösungsorientierte und nicht problemorientierte Arbeit.

Welches Thema liegt aktuell auf Ihrem Tisch?

Ich beschäftige mich selten nur mit einer Sache. Das Thema Eisenbahnkreuzungen ist nach wie vor aktuell. Ansonsten insbesondere Fälle mit Bezug zu Forst- und UVP-Recht.

Das führt uns wieder direkt zu Ihren Dissertationsthemen. Sie haben zwei sehr unterschiedliche Themengebiete gewählt, warum genau die beiden?

Ich wollte Berufliches und Privates verbinden. Mein Interesse zu Jagd hat natürlich meine Themenwahl an der BOKU stark beeinflusst. Meine letzten Verfahren in Zusammenhang mit Eisenbahnkreuzungen waren die Ausgangspunkte zu meiner zweiten Dissertation.

Themenfindung ist nicht immer einfach, was sind Ihre Geheimtipps?

Simpel und einfach gesagt: Das Thema muss einfach persönlich passen. Zu vorgegebenen Themen fehlt einem meistens der Bezug – man tut sich schwer, Motivation zu finden. In meinem Fall waren die Anknüpfungspunkte zum Beruf extrem hilfreich. In meinem Arbeitsleben verliert man schnell die Angst vor großen Projekten und lernt mit großen Texten umzugehen. Strukturiert zu arbeiten ist absolutes Muss. Wer also bereits Berufserfahrung hat, ist klar im Vorteil.

Ihre Dissertation ist in Rekordzeit (6 Monate) entstanden, wie ist das gelungen?

Konsequenz ist das A und O! Also weniger „ich schreib auch bissl‘ Diss“, sondern ich setze mir konkrete und vor allem realistische Ziele. Wann will ich mit einem bestimmten Kapitel fertig sein? Wie viele Seiten möchte ich pro Tag schreiben? Ich persönlich bin eher der Typ, der sich zu Beginn etwas mehr Zeit für die Grundstruktur nimmt und diese dann abarbeitet.

Was ist Ihr nächstes Ziel?

Stärkere Wahrnehmung am Markt, damit meine ich vor allem, dass der Name Bayer mit mir als Anwältin und meiner Arbeit verbunden wird. Und in den kommenden 5-10 Jahren statt Junganwältin auch ‚Anwältin des Jahres im öffentlichen Wirtschaftsrecht‘ sein.

Vielen Dank für das Interview!